Die Schweizer Wirtschaft zu Beginn des Jahres 2026
Laut „Aufkeimender Optimismus in der Schweizer Wirtschaft“, veröffentlicht von der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, hat sich die Stimmung im Schweizer Privatsektor zu B…
Die Schweizer Wirtschaft zu Beginn des Jahres 2026
Aufkeimender Optimismus breitet sich in der Wirtschaft aus
VERÖFFENTLICHT 28. Februar 2026
Laut „Aufkeimender Optimismus in der Schweizer Wirtschaft“, veröffentlicht von der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, hat sich die Stimmung im Schweizer Privatsektor zu Beginn des Jahres 2026 merklich verbessert — ein Zeichen für eine vorsichtig aufgehellte Konjunkturlage nach einer längeren Schwächephase.
Die KOF-Konjunkturumfragen zeigen, dass sowohl die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate positiver ausfallen. Die Verbesserung wird als breit abgestützt beschrieben, was darauf hindeutet, dass die Schweizer Wirtschaft mit wachsender Zuversicht über weite Teile der Unternehmenslandschaft in das Jahr startet.
Die Industrie treibt die Wende
Der Stimmungsaufschwung wird vor allem von der Industrie getragen. Nach Angaben der KOF ist der Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage in der Industrie erstmals seit dem Frühjahr 2023 wieder in den positiven Bereich zurückgekehrt. Nach einer langen Schwächephase markiert diese Verschiebung einen bemerkenswerten Wendepunkt für einen der wichtigsten Exportmotoren der Schweiz.
Besonders deutlich ist die Verbesserung in der Chemie- und Pharmaindustrie, wo die Unternehmen deutlich bessere Geschäftsbedingungen melden.
Die Umfragen deuten zudem darauf hin, dass Unternehmen mit starker Ausrichtung auf EU- und US-Märkte von festeren Nachfrageerwartungen profitieren, was die industrielle Zuversicht insgesamt hebt.
Klaus Abberger, Leiter der KOF-Konjunkturumfragen, weist darauf hin, dass einige Branchen zuvor über einen längeren Zeitraum unter Druck standen, was die aktuelle breite Verbesserung besonders bemerkenswert macht.
Positive Signale breiten sich aus — aber nicht überall
Über die Industrie hinaus hat sich die Stimmung auch in mehreren großen Dienstleistungssegmenten verbessert. Die KOF meldet bessere Geschäftsbeurteilungen bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, im Großhandel, im Gastgewerbe und im Bau. Das deutet auf eine Erholung hin, die sich allmählich über die Wirtschaft ausbreitet, statt auf einen einzelnen Sektor beschränkt zu bleiben.
Auch der Detailhandel zeigt eine Verbesserung, die dort allerdings als bescheidener beschrieben wird. Zugleich ist das Bild nicht durchweg positiv. Die Geschäftslage in den übrigen Dienstleistungen blieb weitgehend stabil, während Planungsbüros — darunter Architektur- und Ingenieurbüros — eine leichte Abkühlung meldeten.
Dieses uneinheitliche Muster legt nahe, dass sich die wirtschaftliche Erholung der Schweiz zwar verbreitert, aber noch in einem frühen und etwas fragilen Stadium steckt.
Handelserwartungen stützen die Stimmung
Ein Teil der besseren Aussichten hängt mit handelspolitischen Entwicklungen zusammen. Laut KOF hat die Aussicht auf Zollsenkungen und deren Inkrafttreten im November den Nachfrageerwartungen der befragten Unternehmen einen spürbaren Schub gegeben.
Die positivere Nachfrageperspektive spiegelt sich auch in den Beschäftigungsplänen wider. Die Unternehmen werden hinsichtlich ihres Personalbedarfs für die kommenden Monate allmählich zuversichtlicher, was die Einschätzung stützt, dass die Stimmungsverbesserung an Zugkraft gewinnt.
Die Auftragslage im Bau steht weiter unter Druck
Trotz der insgesamt besseren Stimmung hebt die KOF einen anhaltenden Schwachpunkt der Wirtschaft hervor. Die Auftragseingänge im Wirtschaftsbau bleiben verhalten, was darauf hindeutet, dass Teile der Baubranche die Folgen des früheren Abschwungs noch spüren.
Diese Divergenz unterstreicht ein zentrales Merkmal des aktuellen Zyklus: Die Geschäftsstimmung verbessert sich in einigen Segmenten schneller als die harten Aktivitätsindikatoren, insbesondere im baunahen Bereich.
Ausblick: Das Vertrauen kehrt zurück, die Vorsicht bleibt
Insgesamt deutet die jüngste KOF-Umfrage auf einen aufkeimenden Optimismus in der Schweizer Wirtschaft zu Beginn des Jahres 2026 hin. Die Verbesserung ist breit abgestützt, die Industrie führt den Aufschwung an, und die Dienstleistungsbranchen ziehen allmählich nach.
Die Erholung ist jedoch noch nicht gefestigt. Die gemischten Signale aus dem Bau und das weiterhin uneinheitliche Branchenbild deuten darauf hin, dass sich die Schweiz eher in der Frühphase einer von Zuversicht getragenen Gegenbewegung befindet als in einem vollen konjunkturellen Aufschwung.
Fazit: Die Schweizer Unternehmen sind mit neuem Vertrauen in das Jahr 2026 gestartet. Die Stimmung hellt sich in weiten Teilen der Wirtschaft deutlich auf, die Erholung bleibt jedoch allmählich und uneinheitlich — angebracht ist vorsichtiger Optimismus statt verfrühter Euphorie.
Quelle: reformbusiness.com