Markteinblicke

Gegenwart solide, Zukunft unsicher: Die Schweizer Wirtschaft erholt sich im April — und blickt dann besorgt nach vorn

Eine Erholung, die kam, aber nicht ganz überzeugte

Gegenwart solide, Zukunft unsicher: Die Schweizer Wirtschaft erholt sich im April — und blickt dann besorgt nach vorn

Gegenwart solide, Zukunft unsicher: Die Schweizer Wirtschaft erholt sich im April — und blickt dann besorgt nach vorn

Der April-Anstieg des KOF-Barometers verdeckt einen sich verschlechternden Ausblick, während sich die Erwartungen der Schweizer Unternehmen eintrüben

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VERÖFFENTLICHT 28. Mai 2026

Eine Erholung, die kam, aber nicht ganz überzeugte

Laut „Schweizer Wirtschaft: KOF-Indikator steigt im April“, berichtet von Finanz und Wirtschaft auf Grundlage der monatlichen Veröffentlichung der KOF der ETH Zürich, hat sich der Schweizer Geschäftsklimaindikator im April auf ein Niveau über dem Januarwert erholt — nach einem starken Einbruch im März unmittelbar nach dem Ausbruch des Iran-Krieges. Der April-Wert des KOF-Konjunkturbarometers stieg um 2,3 Punkte auf 97,9, nach einem revidierten März-Wert von 95,6.

Diese Erholung ist real, und sie zählt. Sie deutet darauf hin, dass die erste Panikreaktion der Schweizer Unternehmen auf den geopolitischen Schock mindestens teilweise abgeklungen ist und die zugrunde liegende Wirtschaftstätigkeit nicht so eingebrochen ist, wie manche befürchtet hatten. Dennoch liegt das Barometer unter seinem mittelfristigen Durchschnitt, und die vorausschauenden Komponenten der Umfrage erzählen eine deutlich vorsichtigere Geschichte. Die Gegenwart sieht besser aus als befürchtet. Die nächsten sechs Monate werden mit wachsender Sorge betrachtet.

Die Industrie führt die Gegenbewegung an

Das ermutigendste Signal der April-Daten kommt aus der Schweizer Industrie, die sich laut KOF vollständig von ihrem März-Rückgang erholt hat. Nachdem der Iran-Krieg unmittelbare Störungen von Lieferketten und Auftragsflüssen ausgelöst hatte, scheinen die Industriebetriebe ihren Betrieb schneller als erwartet stabilisiert zu haben — womöglich ein Spiegel der relativen Diversifizierung der Schweizer Industriebasis und der traditionellen Rolle des Frankens als Fluchtwährung, die gegen manche Formen äußerer Schwankungen abschirmt.

Innerhalb des Produzierenden Gewerbes zeigten mehrere Teilindikatoren positive Entwicklungen: Lagerbestände an Vorleistungsgütern, die Einschätzung von Produktionshindernissen und die Kapazitätsauslastung verbesserten sich alle. Das sind aussagekräftige Signale — sie deuten darauf hin, dass die Fabriken wieder näher am Normalbetrieb laufen, auch wenn das breitere wirtschaftliche Umfeld unsicher bleibt.

Zwischen den Industriebranchen war das Bild jedoch gemischt. Hersteller im Segment Holz, Glas, Steine und Erden sowie Nahrungs- und Getränkeproduzenten sahen ihre Indikatoren nachgeben. Dagegen deuteten die Metallindustrie, Papier und Druck sowie die Elektronik auf günstigere Bedingungen hin. Die Schweizer Präzisionsindustrie — Uhren, Medizintechnik, Spezialchemie — wurde nicht eigens ausgewiesen, doch der positive Trend in den Metall- und Elektronikclustern legt nahe, dass die Fertigung mit hoher Wertschöpfung sich einigermaßen gut hält.

Dienstleistungen: Auseinanderdriften von Gewinnern und Verlierern

Im Dienstleistungssektor zeigen die April-Daten ein klares Auseinanderdriften zwischen jenen, die vom aktuellen Umfeld profitieren, und jenen, die seine Kosten am unmittelbarsten tragen. Die sonstigen Dienstleistungen — eine breite Kategorie von unternehmensbezogenen, professionellen und personenbezogenen Diensten — verbesserten sich moderat. Der Einzelhandel lag ebenfalls leicht im Plus. Das Segment Planung und Projektmanagement verzeichnete einen deutlich stärkeren Anstieg, was auf eine anhaltende Nachfrage nach Beratungs- und Ingenieurleistungen trotz des unsicheren Umfelds hindeutet.

Die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen waren unterdessen gegenüber dem Vormonat praktisch unverändert — unveränderte Perspektiven, in der Formulierung der KOF. Diese Stabilität im Finanzsektor überrascht kaum: Schweizer Banken und Versicherer haben sich gegenüber geopolitischen Turbulenzen historisch als widerstandsfähig erwiesen, und die aktuelle Phase hoher Unsicherheit dürfte über Absicherungs- und Risikomanagementgeschäfte sogar Gebühreneinnahmen erzeugen.

Der klare Verlierer des Monats ist das Gastgewerbe. Die KOF verzeichnet eine ausgeprägte Abkühlung des Gastgewerbe-Indikators — ein Spiegel einer Branche, die akut sowohl auf Energiekosten als auch auf das Verbrauchervertrauen reagiert. Mit unter Druck stehenden Tourismuseinnahmen, weil Reisende vorsichtiger werden, und mit parallel zu den Energiepreisen steigenden Betriebskosten bewegen sich Schweizer Hotels, Restaurants und Cafés durch einen wirklich schwierigen Moment.

Bau und Auslandsnachfrage: stabil

Zwei Indikatorbündel, die im April praktisch unverändert blieben, verdienen kurze Aufmerksamkeit für das, was ihre Stabilität bedeutet. Der Bau verzeichnete Perspektiven in etwa auf dem Niveau des Vormonats — er erholte sich nicht und verschlechterte sich nicht. Das ist angesichts der Exponierung der Branche gegenüber dem Druck der Finanzierungskosten ein etwas positiverer Wert als erwartet und deutet darauf hin, dass die Schweizer Infrastruktur- und Wohnbaupipeline aktiv genug ist, um das aktuelle Aktivitätsniveau zu tragen.

Auch die Indikatoren zur Auslandsnachfrage hielten sich in etwa stabil. Für eine kleine, stark exportorientierte Volkswirtschaft wie die Schweiz ist das ein kritischer Datenpunkt. Die Schweizer Exporteure — besonders bei Pharma- und Chemieprodukten, Präzisionsmaschinen und Finanzdienstleistungen — sind für ihr Wachstum stark auf die Auslandsnachfrage angewiesen. Eine Stabilisierung des Auslandsnachfragebündels, selbst auf gedämpftem Niveau, bedeutet, dass der Schweizer Exportmotor nicht abgewürgt ist. Ob er wieder beschleunigen kann, hängt wesentlich davon ab, wie sich die Nachfrage im Euroraum und in den wichtigsten asiatischen Märkten im zweiten Quartal entwickelt.

Der Beschäftigungsausblick: ein Vorbehalt

Unter der insgesamt positiven Erholung der Schlagzeilenzahl verdient ein Element der KOF-Daten besondere Aufmerksamkeit: der Beschäftigungsausblick. Im Produzierenden Gewerbe kamen die Indikatoren für die Beschäftigungsaussichten im April unter Druck — entgegen dem allgemein positiven Trend der anderen Teilkomponenten. Das ist ein feines, aber wichtiges Signal.

Es deutet darauf hin, dass selbst Betriebe, deren laufende Geschäftslage sich stabilisiert hat, der Dauerhaftigkeit dieser Stabilisierung noch nicht genug vertrauen, um neue Einstellungen zuzusagen. Der Schweizer Arbeitsmarkt ist im historischen Vergleich weiterhin angespannt, doch die April-Daten der KOF deuten auf eine nachlassende Arbeitskräftenachfrage hin — besonders in der Industrie —, die sich in den kommenden Monaten in der Arbeitsmarktstatistik zeigen könnte, falls sich die Erwartungen weiter verschlechtern.

Der Blick nach vorn: Wolken am Horizont

Das ernüchterndste Element des April-Berichts ist seine Beschreibung der Unternehmenserwartungen. Trotz der Verbesserung der aktuellen Lage haben sich die Einschätzungen der Schweizer Betriebe zu den Aussichten für die kommenden sechs Monate breit eingetrübt. Diese Verschlechterung des Ausblicks konzentriert sich nicht auf eine einzelne Branche — sie ist über die Umfragestichprobe von rund 4.200 Unternehmen aus Industrie, Bau und Dienstleistungen hinweg verbreitet.

Der Grund ist nicht schwer zu benennen. Die Energiepreise bleiben hoch, und der Zeitplan ihrer Normalisierung bleibt unklar. Die zwischen den Vereinigten Staaten und Iran angekündigte Waffenruhe hat sich, so begrüßenswert sie ist, noch nicht in eine sichtbare Entspannung der Rohstoffmärkte übersetzt. Lieferkettenstörungen — besonders bei Betrieben, die auf Vorleistungen oder Märkte am Persischen Golf angewiesen sind — halten an. Und die breitere geopolitische Risikoprämie in den Finanzmärkten zeigt keine Anzeichen des Abklingens.

Für Schweizer Unternehmen ist die praktische Folge eine Verkürzung der Investitionshorizonte und eine Zurückhaltung bei Expansionsplänen. Die Aufträge mögen halten, doch die längerfristige Pipeline von Projekten und strategischen Entscheidungen wird auf Eis gelegt.

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Die besondere Position der Schweiz — und ihre Grenzen

Die Schweiz nimmt in der europäischen Wirtschaftslandschaft eine besondere Position ein. Ihre währungspolitische Unabhängigkeit, der Status des Frankens als sicherer Hafen, ihre relativ diversifizierte Industriestruktur und ihre starke Finanzlage bieten Puffer, die ihren Nachbarn im Euroraum fehlen. Die Schweizerische Nationalbank hat mehr Handlungsspielraum als die EZB, und die Bilanzen der Schweizer Haushalte sind im Durchschnitt stärker als jene in Deutschland oder Österreich.

Dennoch ist die Schweiz von der Dynamik der breiteren europäischen Wirtschaft nicht abgeschirmt. Ihre Industrie ist tief in europäische und globale Lieferketten eingebunden. Ihr Tourismus ist demselben Druck auf das Verbrauchervertrauen ausgesetzt, der das Gastgewerbe auf dem ganzen Kontinent trifft. Und ihre Exportmärkte — vor allem Deutschland, Frankreich und die weitere EU — kämpfen selbst.

Das KOF-Barometer vom April liefert die Momentaufnahme einer Wirtschaft, die den ersten Schock des Iran-Krieges besser verkraftet hat als von vielen befürchtet, aber noch keinen klaren Weg zu neuer Dynamik gefunden hat. Die Schweiz hält ihre Stellung — methodisch, charakteristisch und mit einem immer wachsameren Blick auf einen Horizont, der deutlich unklarer geworden ist, als er noch vor drei Monaten schien.

Der Beschäftigungsausblick: ein Vorbehalt

Unter der insgesamt positiven Erholung der Schlagzeilenzahl verdient ein Element der KOF-Daten besondere Aufmerksamkeit: der Beschäftigungsausblick. Im Produzierenden Gewerbe kamen die Indikatoren für die Beschäftigungsaussichten im April unter Druck — entgegen dem allgemein positiven Trend der anderen Teilkomponenten. Das ist ein feines, aber wichtiges Signal.

Es deutet darauf hin, dass selbst Betriebe, deren laufende Geschäftslage sich stabilisiert hat, der Dauerhaftigkeit dieser Stabilisierung noch nicht genug vertrauen, um neue Einstellungen zuzusagen. Der Schweizer Arbeitsmarkt ist im historischen Vergleich weiterhin angespannt, doch die April-Daten der KOF deuten auf eine nachlassende Arbeitskräftenachfrage hin — besonders in der Industrie —, die sich in den kommenden Monaten in der Arbeitsmarktstatistik zeigen könnte, falls sich die Erwartungen weiter verschlechtern.

Der Blick nach vorn: Wolken am Horizont

Das ernüchterndste Element des April-Berichts ist seine Beschreibung der Unternehmenserwartungen. Trotz der Verbesserung der aktuellen Lage haben sich die Einschätzungen der Schweizer Betriebe zu den Aussichten für die kommenden sechs Monate breit eingetrübt. Diese Verschlechterung des Ausblicks konzentriert sich nicht auf eine einzelne Branche — sie ist über die Umfragestichprobe von rund 4.200 Unternehmen aus Industrie, Bau und Dienstleistungen hinweg verbreitet.

Der Grund ist nicht schwer zu benennen. Die Energiepreise bleiben hoch, und der Zeitplan ihrer Normalisierung bleibt unklar. Die zwischen den Vereinigten Staaten und Iran angekündigte Waffenruhe hat sich, so begrüßenswert sie ist, noch nicht in eine sichtbare Entspannung der Rohstoffmärkte übersetzt. Lieferkettenstörungen — besonders bei Betrieben, die auf Vorleistungen oder Märkte am Persischen Golf angewiesen sind — halten an. Und die breitere geopolitische Risikoprämie in den Finanzmärkten zeigt keine Anzeichen des Abklingens.

Für Schweizer Unternehmen ist die praktische Folge eine Verkürzung der Investitionshorizonte und eine Zurückhaltung bei Expansionsplänen. Die Aufträge mögen halten, doch die längerfristige Pipeline von Projekten und strategischen Entscheidungen wird auf Eis gelegt.

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Die besondere Position der Schweiz — und ihre Grenzen

Die Schweiz nimmt in der europäischen Wirtschaftslandschaft eine besondere Position ein. Ihre währungspolitische Unabhängigkeit, der Status des Frankens als sicherer Hafen, ihre relativ diversifizierte Industriestruktur und ihre starke Finanzlage bieten Puffer, die ihren Nachbarn im Euroraum fehlen. Die Schweizerische Nationalbank hat mehr Handlungsspielraum als die EZB, und die Bilanzen der Schweizer Haushalte sind im Durchschnitt stärker als jene in Deutschland oder Österreich.

Dennoch ist die Schweiz von der Dynamik der breiteren europäischen Wirtschaft nicht abgeschirmt. Ihre Industrie ist tief in europäische und globale Lieferketten eingebunden. Ihr Tourismus ist demselben Druck auf das Verbrauchervertrauen ausgesetzt, der das Gastgewerbe auf dem ganzen Kontinent trifft. Und ihre Exportmärkte — vor allem Deutschland, Frankreich und die weitere EU — kämpfen selbst.

Das KOF-Barometer vom April liefert die Momentaufnahme einer Wirtschaft, die den ersten Schock des Iran-Krieges besser verkraftet hat als von vielen befürchtet, aber noch keinen klaren Weg zu neuer Dynamik gefunden hat. Die Schweiz hält ihre Stellung — methodisch, charakteristisch und mit einem immer wachsameren Blick auf einen Horizont, der deutlich unklarer geworden ist, als er noch vor drei Monaten schien.

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